EINE LANGE LISTE KANN EIN STRATEGISCHES PROBLEM VERBERGEN
Fragen Sie Mitarbeitende, wo KI eingesetzt werden könnte, kann die Antwort überwältigend sein. Nahezu jede Funktion enthält heute plausible KI-Use-Cases. Die Herausforderung hat sich verändert: Es geht nicht mehr darum, Möglichkeiten zu finden, sondern zwischen ihnen zu wählen.
Eine Organisation kann fünfzig KI-Use-Cases identifizieren und trotzdem keine sinnvolle KI-Strategie besitzen, weil eine Liste von Möglichkeiten keine Prioritäten zeigt.
DER BESTE USE CASE IST VIELLEICHT NICHT DER EINDRUCKSVOLLSTE
KI zieht Aufmerksamkeit an, wenn sie etwas leistet, das zuvor schwierig oder unmöglich schien. Dadurch entsteht leicht ein Bias zugunsten technologischer Raffinesse.
Unternehmen erzielen jedoch keine Rendite auf Raffinesse, sondern auf Ergebnisse. Eine relativ einfache Anwendung an der richtigen Stelle kann deutlich mehr Wert schaffen als eine fortgeschrittene Lösung für ein marginales Problem.
CHANCEN KONKURRIEREN UM DIESELBEN RESSOURCEN
Jede Initiative verbraucht Kapital, Management-Aufmerksamkeit, Technologie- und Datenressourcen, Veränderungskapazität und Zeit der Mitarbeitenden. Eine KI-Initiative auszuwählen bedeutet daher auch, etwas anderes nicht zu verfolgen.
Priorisierung wird damit zu einer Frage der Kapitalallokation und nicht nur der Technologie. Entscheidend ist nicht nur, ob eine Idee einen positiven Business Case hat, sondern ob sie besser ist als die Alternativen.
WERT KANN AN UNERWARTETEN STELLEN LIEGEN
Die größten KI-Chancen entstehen möglicherweise nicht in einem KI-Workshop. Sie können aus Gesprächen über verlorene Kunden, Working Capital, Kapazität, Pricing, Servicequalität, Wachstumsgrenzen oder die Kosten von Komplexität entstehen.
Beginnt man mit diesen Geschäftsfragen, sehen KI-Use-Cases plötzlich anders aus. Manche verschwinden, andere werden größer und völlig neue Chancen können sichtbar werden.
TECHNOLOGIE DANACH BEDEUTET NICHT, DASS TECHNOLOGIE UNWICHTIG IST
Im Gegenteil. Die Wahl der richtigen Technologie wird wichtiger, sobald das Geschäftsziel klar ist. Der Unterschied liegt in der Reihenfolge.
Statt Technologie → Use Case → Business Case kann man Geschäftschance → Wert → Lösung denken. KI kann am Ende die Lösung sein — aber jetzt gibt es einen geschäftlichen Grund dafür.
VIELLEICHT IST DIE CHANCE BEREITS VORHANDEN
Etablierte Organisationen enthalten Jahre an Prozessen, Kundeninteraktionen, Betriebsdaten, Systemen, Wissen und kommerzieller Erfahrung. Irgendwo in dieser Komplexität liegen wahrscheinlich Chancen, die noch nie durch eine Wert-Linse betrachtet wurden.
Die Frage ist, ob die Organisation sie identifizieren und die interessanten von den wirklich wichtigen unterscheiden kann.
